Monatsbericht April 2026
Sehr geehrte Anlegerinnen, sehr geehrte Anleger,
die internationalen Aktienmärkte erholten sich im Berichtsmonat deutlich von den Vormonatsverlusten, gestützt durch einen zwischenzeitlichen Waffenstillstand im Iran-Konflikt. In den USA fiel der Kursanstieg besonders kräftig aus, der S&P 500 legte um +10,4% zu, der NASDAQ 100 sogar um +15,6%, zusätzlich getragen von sehr starken Quartalszahlen in der Breite der Unternehmen. In Europa zeichnete sich mit +5,6% im EURO STOXX 50 auf Länderebene ein differenzierteres Bild: der DAX (+7,1%) zeigte sich besonders freundlich, der spanische IBEX 35 (+4,3%) und der französische CAC 40 (+3,8%) lagen im Mittelfeld, während der britische FTSE 100 (+2,0%) verhaltener positiv tendierte. In Asien legte der Nikkei mit +16,1% deutlich zu, der Hang Seng verzeichnete ein gemäßigteres Plus von +4,0%. Hinter der freundlichen Markttendenz mehren sich damit die Anzeichen, dass die strukturellen Inflationsrisiken längerfristiger Natur sind. Die Konjunktur zeigt sich bisweilen robust.
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Chart des Monats: Inflation in der Eurozone, 2020-2026
Allgemeiner Überblick
Das Bild zeigt ein Liniendiagramm mit dem Titel „Chart des Monats: Inflation in der Eurozone, 2020–2026“. Es stellt die Entwicklung der Inflationsrate (gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, HVPI) in der Eurozone über einen Zeitraum von sechs Jahren dar. Die Daten stammen laut Quellenangabe von Eurostat.
Achsenbeschriftung
- Horizontale Achse (X-Achse): Zeigt die Zeitachse von Anfang 2020 bis Mitte 2026, unterteilt in jährliche Abschnitte.
- Vertikale Achse (Y-Achse): Zeigt die Inflationsrate in Prozent. Die Skala reicht von 0 % bis 12 % in Schritten von jeweils 2 Prozentpunkten. Im Jahr 2020 fällt die Kurve kurzzeitig sogar leicht unter die 0 %-Linie (Deflation).
Verlauf der Kurve (Trend)
Die dunkelblaue Kurve zeigt eine dramatische Entwicklung, die an einen steilen Berg erinnert:
- 2020 (Die Talsohle): Das Diagramm startet Anfang 2020 bei knapp unter 2 %. Im Laufe des Jahres (während der COVID-19-Pandemie) sinkt die Kurve ab und verbringt die zweite Jahreshälfte knapp unter der 0 %-Marke – die Preise sind im Vergleich zum Vorjahr also leicht gesunken.
- 2021 bis Ende 2022 (Der steile Anstieg): Ab Anfang 2021 schießt die Kurve fast unaufhaltsam nach oben. Sie durchbricht Anfang 2022 die 5 %-Marke und klettert im Spätherbst 2022 auf ihren absoluten Höchstwert von etwas über 10 %.
- 2023 (Der schnelle Abstieg): Nach dem Peak Ende 2022 fällt die Inflationsrate im Jahr 2023 fast genauso rasant wieder ab, wie sie gestiegen ist. Ende 2023 erreicht sie wieder ein Niveau von knapp unter 3 %.
- 2024 bis Mitte 2026 (Die Seitwärtsbewegung mit jüngerem Knick): In den Jahren 2024 und 2025 stabilisiert sich die Kurve und pendelt relativ ruhig knapp über der 2 %-Marke. Erst ganz am Ende des Datenzahls, im Jahr 2026, ist wieder ein spürbarer Knick nach oben zu erkennen, bei dem die Kurve aktuell bei etwa 3 % steht.
Quelle: Eurostat
Inflation kehrt zurück – Sachwerte schützen
Mit dem Iran-Krieg ist die Inflation als Thema auf die Agenda der Kapitalmärkte zurückgekehrt. In Deutschland kletterte die Inflation im März auf 2,7%, in den USA auf 3,3%, nach 1,9% bzw. 2,4% im Vormonat. Die deutschen Erzeugerpreise legten zum Vormonat um +2,5% zu, der höchste Anstieg seit August 2022. Treiber ist die Energiekomponente mit Heizöl bei +44% YoY. Der Inflationsimpuls erinnert an 2022, doch die Größenordnung der Angebots-Disruption ist eine andere. Damals reduzierte Russland zwischen Mai und September seine Lieferungen schrittweise und konnte rund 80% seiner 8 Mio. Barrel Tagesproduktion nach Asien umleiten, der Marktverlust blieb bei 1,5 Mio. Barrel begrenzt. Heute betrifft das Nadelöhr Hormuz rund 20 Mio. Barrel, ein Fünftel des globalen Verbrauchs, wovon Bypass-Pipelines lediglich 2,6 bis 5,5 Mio. (rund 13% bis 28%) auffangen können. Während Brent-Futures mit 104 USD unter dem 2022er-Hoch von 128 USD notieren, erreichte der Spotmarkt mit 144 USD ein Allzeithoch. Die Forward-Notierung für Lieferung in einem Jahr liegt dagegen bei nur 76 USD. Der Markt preist damit eine rasche Entspannung ein, deren Ausbleiben Unternehmen zu teureren Absicherungen und höheren Inputkosten zwingen würde. Die EZB hat ihre Inflationsprojektion inzwischen von 1,9% auf 2,6% angehoben. Wie 2022 dürfte der Kostendruck mit Verzögerung über Logistik-, Industrie- und Agrarpreise durchsickern. Damals brauchte die Eurozone-Inflation acht Monate von 5,9% bei Kriegsbeginn bis zum Hoch von 10,6%.
Unternehmen im Fokus
TRANSAKTIONEN
Aktieninvest (AI)
Im Aktieninvest haben wir mehrere Anpassungen vorgenommen.
Bei Siegfried Holding, dem Schweizer Auftragshersteller für pharmazeutische Wirkstoffe und Arzneimittel, haben wir die Position aufgestockt. Wir sehen Siegfried langfristig als Profiteur zweier struktureller Trends: zum einen lagern Pharmaunternehmen zunehmend Produktionsschritte an spezialisierte Auftragshersteller aus, zum anderen drängt die US-Politik auf Onshoring der Arzneimittelproduktion. In genau diesem Kontext schließt Siegfried zum 1. Mai die Übernahme dreier Produktionsstandorte in den USA und Australien von SK Capital ab, die annualisiert rund 155 Mio. USD Umsatz beitragen, was einem Zuwachs von rund +10% gegenüber dem Konzernumsatz 2025 von CHF 1,33 Mrd. entspricht. Der Kursrückgang der Aktie von rund -21% seit dem Jahreshoch im Januar bot zudem ein attraktives Bewertungsfenster.
Eaton wurde vollständig veräußert und durch Hubbell ersetzt. Eaton ist mit einer Marktkapitalisierung von rund 122 Mrd. EUR mittlerweile zu groß für den auf Mid- und Small-Caps ausgerichteten Fonds. Hubbell, ein US-Spezialist für Stromnetzinfrastruktur, hat sich über die letzten Jahre vom diversifizierten Mischkonzern zum fokussierten Lösungsanbieter transformiert. Heute berichtet das Unternehmen in zwei Segmenten: Utility Solutions („vor dem Stromzähler“, rund 63% Umsatz) mit Schaltern, Isolatoren, „Smart Metern“ und NetzschutzSystemen für Versorgungsunternehmen sowie Electrical Solutions („hinter dem Stromzähler“, rund 37%) mit Verkabelungs- und Schutzlösungen für Industrie und Rechenzentren. Hubbell zeigt nachhaltiges Wachstum bei stabilen Margen und positioniert sich strukturell für die Trends Netzausbau und Elektrifizierung.
Bei Rolls-Royce haben wir einen Teilverkauf vorgenommen. Die starke mehrjährige Kursentwicklung hat das Gewicht der Position im Portfolio deutlich erhöht. Als Ersatz haben wir MTU Aero Engines aufgenommen, einen deutschen Spezialisten für die Produktion und Wartung ziviler und militärischer Triebwerke. MTU arbeitet im OEM-Geschäft vor allem über Risk- and Revenue-Sharing-Partnerschaften mit Pratt & Whitney, GE Aerospace und Rolls Royce, also Kooperationen, bei denen sich MTU an Entwicklungskosten und Umsätzen einzelner Triebwerksprogramme beteiligt. Ein erheblicher Teil des Umsatzes stammt aus dem hochmargigen Wartungsgeschäft mit langjähriger Ergebnisvisibilität. MTU bietet mit hoher Margenstabilität und Aufholpotenzial gegenüber der Sektorentwicklung eine attraktive Kaufgelegenheit.
Antofagasta, der chilenische Kupferproduzent, wurde vollständig veräußert. Mit einer Marktkapitalisierung von 45,3 Mrd. EUR ist das Unternehmen zu groß für den Fondsstil geworden. Als Ersatz haben wir Capstone Copper aufgenommen, einen kanadischen Mid-Cap-Kupferproduzenten mit rund 7 Mrd. USD Marktkapitalisierung. Die operative Entwicklung der letzten Quartale zeigt eine deutliche Verbesserung mit verdoppeltem EBITDA und rückläufigen Produktionskosten. Gleichzeitig handelt das Unternehmen mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gegenüber den Wettbewerbern, den wir in seiner Höhe als ungerechtfertigt einschätzen. Hinzu kommt das geplante Großprojekt Santo Domingo, das die Reservenbasis erheblich erweitert. Die finale Investitionsentscheidung für Santo Domingo wird im zweiten Halbjahr erwartet, die hierfür von Capstone selbst gesetzten Kriterien (Liquidität von über 500 Mio. USD und Verschuldungsgrad von unter 1,0x Net Debt/EBITDA) sind bereits weitgehend erreicht.
Als Silicon Motion, ein führender Anbieter von NANDFlash-Controllern für Solid-State-Speichergeräte, im Rahmen der Veröffentlichung der Quartalszahlen einen erfreulichen Ausblick gab und sogar für 2027 ein äußerst positives Nachfrage-Umfeld zeichnete, schoss die Aktie um ca. 45% in die Höhe. Wir nutzten den übermäßigen Kursanstieg, um unsere Position um ein Drittel zu reduzieren und sicherten so die Einhaltung der 5%-Anlagegrenze für Einzeltitel im Fonds.
UPM KYMMENE
Rationalinvest (RI)
UPM-Kymmene, der finnische Hersteller von Zellstoff, Papier und holzbasierten Produkten, hat einen Demerger seines Sperrholzgeschäfts (ca. 4% des Umsatzes 2025) in eine eigenständige börsennotierte Gesellschaft (WISA Group) für November angekündigt.